Düsseldorf Photoweekend 2015
30.01. - 01.02.2015

Anlässlich des Photoweekend 2015 zeigt die Galerie Voss fotografische Arbeiten zum Thema Landschaftsdarstellung als Reflexion der eigenen Wahrnehmung. Die Entwicklung der Landschaftsdarstellung lässt sich kunsthistorisch wie folgt umreissen: Die Landschaftsdarstellung in der Romantik idealisierte die Natur und den Menschen. Die Zeit des Realismus dagegen überrascht den Betrachter mit der Macht der Industrialisierung. Die Impressionisten stellten die Nachahmung und die Vergänglichkeit des Augenblickes dar. Bei allen Unterschieden der Landschaftsdarstellung in den einzelnen Kunstepochen gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Die Darstellung der Landschaft wurde stets fiktiv konstruiert und strukturiert. Fiktiv betrachtet gibt es die Landschaftsdarstellung an sich nicht. Diese wird stets vom Betrachter neu erfunden, es ist ein strukturierter und manipulierter Teil der Erfahrungswelt.
Die Ausstellung „LOST SCAPES“ beschäftigt sich mit der subtilen Idee der Landschaftsdarstellung in der Fotografie. Dabei dient die Fotografie nicht als Medium zur Dokumentation, vielmehr offenbart es die subjektiven Emotionen von Verbundenheit und von Zugehörigkeit zur Natur. Die Künstler der Ausstellung verbinden die Landschaftsdarstellung in der Fotografie mit unterschiedlichen Botschaften und rufen damit sowohl soziale als auch politische und geschichtliche Assoziationen hervor.
Allen ausgewählten Arbeiten liegt die Frage nach der Grenze zwischen Fiktion und Realität zugrunde. Dies wird besonders deutlich in den digital manipulierten Fotografiekompositionen. So etwa konstruiert der italienische Künstler Giacomo Costa eine sublime Darstellung der Natur. Dem Betrachter offenbart sich ein realer Bezug zur Apokalypse und die Fiktion der Landschaft wird nur intuitiv wahrgenommen. In Costa's Arbeiten wird der Bezug zwischen Natur und Architektur in einer zerstörerischen, ja fast aggressiven Darstellung hergestellt.
Als Kontrastdarstellung zum Thema Architektur und Natur wirken die Arbeiten der schweizer Künstlerin Sandra Senn. Sie öffnet dem Betrachter den Blick in die ruhige und harmonische Natur. Die reale Darstellung der Natur wird durch die modernen Architekturelemente verfremdet. Diese bilden eine Art Barriere zwischen Fiktion und Realität.
Neben manipulierten Landschaftsdarstellungen beschäftigt sich die Ausstellung mit Ausschnitten realer Landschaften, die dem Betrachter aber irreal erscheinen, wie etwa die paradiesische Landschaft, die umgeben ist von abwehrendem Stacheldraht. Hier werden Prototypen und Gegenstände zu einem Bild, die auf den ersten Blick nicht mit einander harmonieren, das Bild entzweien. Der in Berlin lebende Künstler Benyamin Reich hebt so in seinen Arbeiten auf die Kontraste des Landes Israel ab.
Das Wechselspiel zwischen Fiktion und Realität in der Landschaftsdarstellung ist besonders in den Fotoarbeiten des deutschen Künstlers Ralf Kaspers zu betrachten. Der Mensch wird in Kaspers' Arbeiten als Teil der Natur wahrgenommen und nicht als etwas, das zu ihr im Widerspruch steht. Das Überwältigende der Natur steht hier im Vordergrund und wird manifestiert durch die Darstellung des Menschen in ihr.
Eine differierende Auffassung zur Landschaftsdarstellung kommt in den Arbeiten des israelischen Künstlers Uri Gerschuni zum Ausdruck. In seinen Bildern verfremdet er nicht die abstrakte Wahrnehmung der Landschaft, stattdessen nutzt er die Materie der Fotografie an sich. Damit ist die Landschaftsdarstellung nicht als Abbildung der Realität oder Fiktion zur verstehen, sondern als physisches Arbeitsmaterial.
Die Ausstellung „LOST SCAPES“ sucht nach anderen Möglichkeiten die Vorstellung von unserer Umgebung neu zu definieren und öffnet die Frage nach der Wahrhaftigkeit der Landschaft. In diesem Sinn ist „LOST SCAPES“ als metaphorisches Bindeglied einer komplexen Konstruktion zu verstehen.

Lost Scapes:

Giacomo Costa
Uri Gerschuni
Ralf Kaspers
Benyamin Reich
Sandra Senn



http://www.duesseldorfphotoweekend.de/


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